Religion im Kinderbuch

Buch des Monats

Diese Rubrik wird vom Team der STUBE (Wien) unter der Leitung von Dr. Heidi Lexe betreut. Informationen, Rück- und Anfragen unter www.stube.at.

Das "religiöse Kinderbuch des Monats" des Borromäusvereins finden Sie auf den Seiten von medienprofile.de!

 

Buchtipp des Monats November:

Antonie Schneider und Pei-Yu Chang: Wem gehört der Schnee? Zürich: NordSüd 2019.

Der Schnee hat in unseren Breitengraden schon eine faszinierende Wirkung, wenn er das erste Mal im Jahr vom Himmel fällt und sich leise über Städte, Felder und Wälder legt. Auch in Jerusalem schneit es, nicht oft, aber doch und dann sind die Menschen wie verzaubert: egal ob es sich dabei klein oder groß handelt.

In „Wem gehört der Schnee?“ wird gekonnt die Ringparabel, die vor allem durch Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“ und vielleicht auch durch Mirjam Presslers Adaption für Jugendliche „Nathan und seine Kinder“ bekannt ist, für die Jüngsten adaptiert. Nachdem sich zunächst das Kamel gewundert hat, dass es schneit, berichtet der Text vom wandelnden Erscheinungsbild Jerusalems: Die Kirchtürme bekommen weiße Spitzen. Der Felsendom eine weiße Mütze und die Klagemauer eine weiße Decke. Inmitten der Stadt begegnen sich drei Kinder, die den großen monotheistischen Religionen angehören. Geschwisterlich wollen sie den Schnee zunächst aufteilen, was aufgrund der physikalischen Beschaffenheit des Schnees schlecht geht, da dieser schmilzt. Lauthals streiten und diskutieren sie darüber, welcher ihrer Götter denn den kostbaren Schnee erschaffen hat. Allein können sie sich nicht einigen und beschließen, sich einen höheren Rat einzuholen: Samir fragt beim Imam nach, das christliche Mädchen Mira erkundigt sich bei ihrem Priester, während sich Rafi an den obersten jüdischen Gelehrten, den Rabbi wendet. Die Frage ist leicht: Wer hat den Schnee erschaffen? Die Antwort weniger.

Die drei gelehrten Männer antworten alle mit einem klaren Gottesbezug: >>Der Schnee hat ein Geheimnis<<, sagt der Rabbi. Der Imam sagt: >>Ein Geheimnis wie Gott! Er ist da, er lässt sich nicht festhalten.<< >>Wenn man versucht, das Geheimnis zu beweisen, verliert man es<<, sagt der Priester. Diese Antworten sind für die Kinder auf den ersten Blick wenig zufriedenstellend und sie kehren traurig Nachhause zurück. Doch das Wunder des Schnees ist unergründlich; kurz darauf beginn es erneut zu schneien und die Kinder erkennen den Sinn hinter dem Gesagten.

Die Botschaft der Toleranz sowie dem Miteinander von Christentum, Judentum und Islam nimmt dabei ebenso Raum ein, wie die Frage nach dem Wunder Gottes. Durch das besondere Setting in Jerusalem und der Verknüpfung mit der Tatsache, dass es dort kaum bis nie schneit, liegt ein Bilderbuch vor, dass sich gut in die Tradition der Ringparabel einschreibt. Dabei birgt die Auseinandersetzung unterschiedliche Zugänge hinsichtlich des Wunders: im Sinne dessen, dass Gott/Allah/Jahwe den Schnee geschaffen hat, aber auch dass Schnee in Jerusalem ähnliche wundersame Kraft hat wie die Gegenwart Gottes an sich.

Illustratorisch arbeitet dieses Bilderbuch mit Collagen und dem Erscheinungsbild der Stadt Jerusalem. Durch unterschiedliche Symbolgebung an den Hausmauern sowie den Umgebungen der geistlichen Begleiter kommt auch bildlich die interreligiöse Komponente ein Stück weit zu tragen.

 

Alexandra Hofer

religion-im-kinderbuch.de

... ist ein Internet-Angebot der Deutschen Bibelgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Georg Langenhorst, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Augsburg.